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Big Data - Freiheit schützen

„Big Data“ – der Begriff klingt nach George Orwells „Big Brother“, dem großen Überwacher. Gemeint ist eine neue Technologie zur Auswertung riesiger Datenmengen. Mit Hilfe von Algorithmen können Informationen aus verschiedenen Quellen miteinander verknüpft und zu einem Profi l verschmolzen werden.

Die Bändigung der Flut wird immer wichtiger, denn Daten entstehen ständig. In jedem Moment. Das jetzt schon gigantische Datenaufkommen verdoppelt sich ungefähr alle zwei Jahre. Oftmals stellen die Menschen sie eigenhändig zur Verfügung, etwa bei der Nutzung von Apps oder bei Einkäufen im Netz. Viele Daten werden aber von Maschinen automatisch erzeugt – von Smartphones, intelligenten Stromzählern oder durch die Elektronik im Auto.

Die Ziele der so gewonnenen Erkenntnisse sind sehr unterschiedlich. Marketingexperten setzen auf Konsumvorlieben, Bewegungsdaten von Smartphones sowie Informationen aus sozialen Netzwerken. Auch die Wettervorhersage kann nützlich sein, um bestimmte Produkte zu verkaufen.

Doch Big Data kann viel mehr – zum Beispiel im Verkehrsmanagement: In Stockholm werden Verkehrs- und Wetterdaten, aber auch Informationen über Unfälle ausgewertet mit dem Ergebnis: 20 Prozent weniger Verkehr und um 50 Prozent kürzere Fahrtzeiten. Oder in der Medizin: Big Data beschleunigt Diagnosen und Behandlung erheblich und hilft, Leben zu retten. Oder in der Energiewirtschaft: Intelligente Netze und Endgeräte reduzieren den Verbrauch und stellen eine optimale Versorgung sicher. Alles nahezu in Echtzeit.

Und die Kehrseite? Immer mehr Menschen haben Angst, dass sie „gläsern“ und damit manipulierbar werden. Vor allem drei aktuelle Entwicklungen nähren die Befürchtungen: Nationale Geheimdienste, allen voran die NSA, haben sich Zugang zu vertraulichen Bereichen im Netz verschafft. Sie greifen auf Telefonate, EMails und Datenbanken zu und nutzen die Daten für Zwecke, über die sie keine Auskunft geben müssen.

Kriminelle Organisationen hacken sich professionell in Datensysteme von Unternehmen oder Behörden ein und sind in der Lage, Bankverbindungen zu knacken, sensible Gesundheitsdaten abzuschöpfen oder persönliche Codes auszuspähen. Durch die Nutzung von Facebook, Twitter, WhatsApp und Co. sammeln, speichern und verwerten Konzerne Persönlichkeitsdaten für unbekannte Zwecke. Häufig werden sie weiterverkauft. Der Nutzer hat keinen Einblick, was mit den Informationen passiert, wer sie wo vorhält und wie verwendet. Und eine Löschung ist schwierig.

Daher beginnt jetzt die Öffentlichkeit, sich nicht nur mit der Faszination der Technik, sondern auch mit deren Gefahren zu befassen. Die diesjährige CeBIT trat an unter dem Motto „Datability“, abgeleitet von „Responsibility“ und „Sustainability“. Es ist demnach die Fähigkeit, große Datenmengen nicht nur in hoher Geschwindigkeit, sondern verantwortungsvoll und nachhaltig zu nutzen.

Wie wird es weitergehen? Überwiegt der Nutzen die Angst oder umgekehrt? Wichtig ist eine stärkere Sensibilisierung für das Thema Datenschutz. Informationen müssen sicherer, Missbrauch muss ausgeschlossen werden. Auch die Transparenz dessen, was Datensammler konkret erfassen auch, die Löschung von privaten Daten zu erleichtern.

Wir haben versucht, den Stand der Diskussion in diesem Heft aufzuarbeiten, und dazu hochrangige Experten und Entscheider befragt. Vielleicht trägt dies dazu bei, den verantwortungsvollen Umgang mit Big Data zu befördern, damit wir alle einen sorgenfreien Umgang mit den wunderbaren Möglichkeiten der neuen Technologien pflegen können.

 

Gabriele Kalt

Gabriele Kalt

Verantwortliche Redakteurin

 

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