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Kapitalanlagen - Nachhaltig investieren

Machen CSR-Maßnahmen Sinn? Steigt der Verkaufserfolg, wenn Unternehmen sich verantwortungsvoll gegenüber Umwelt und Gesellschaft verhalten? Wo liegt der betriebswirtschaftliche Nutzen von ressourcenschonenden Materialien, Fair Trade oder Bildungsprojekten in Schulen? Getrieben von Politikern und „gesellschaftlichen Anspruchsgruppen“, stellen sich Manager heute solche Fragen. Und sie müssen sie auch stellen: Denn Investitionen von Firmen müssen sich rechnen.

Und die Antworten auf diese Fragen sind heute eindeutig: „Bei CSR geht es nicht um Gutmenschentum“, sagte Professor Josef Wieland von der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung in Konstanz. „Es geht darum, wie man sicherstellen kann, dass man sein Geschäft auch morgen noch ausüben kann. Deshalb müssen bei jeder Entscheidung die Ansprüche aller Stakeholder Berücksichtigung fi nden.“

Dass sich Investitionen in moderne Energietechnik, ressourcenschonende Produktionsprozesse oder kürzere und konfliktfreie Wertschöpfungsketten oft sehr schnell rechnen, das haben viele Unternehmen bereits gelernt. Auch dass „nachhaltige“ Produkte eine Imageverbesserung und damit Chancen oder höhere Preise am Markt generieren, hat man weithin gelernt.

Doch eine Stakeholdergruppe, die in der Nachhaltigkeitsdebatte dieser Tage noch recht wenig beleuchtet wird, sind die Akteure am Kapitalmarkt. Zu Unrecht: „Wir beobachten seit knapp zwei Jahren, dass institutionelle Investoren immer stärker auf Nachhaltigkeitskriterien achten“, sagte Stefan Löbbert, CSRVerantwortlicher bei der HypoVereinsbank, kürzlich im Magazin des Beratungsunternehmens PwC. Wer als Großunternehmen in Indizes wie dem Dow Jones Sustainability Index nicht gut positioniert sei, der bekomme auf Dauer auch an der Börse ein Problem.

Die CSR-Experten von PwC bestätigen diese Beobachtung. Nach ihrer Auffassung geht es zum Beispiel Fondsmanagern dabei nicht einmal um ethische Grundsätze der Geldanlage. Vielmehr sei bei ihnen die Erkenntnis gewachsen, dass nachhaltig geführte Unternehmen oft auch nachhaltige Renditen erwirtschafteten. Zumindest seien bei diesen die Kursausschläge nicht so groß. Und hier liegt wohl auch einer der Gründe, warum DAX-Unternehmen wie BASF, BMW, Deutsche Post oder Henkel sich so sehr bemühen, in diesen Indizes Branchenführer zu werden.

Ähnlich wichtig sei die Einhaltung von CSR-Kriterien mittlerweile auch bei der Kreditvergabe. 80 Prozent aller Projektfinanzierungen weltweit, so die HypoVereinsbank, liefen heute unter den Standards der „Equator Principles“– eines freiwilligen Regelwerks der Banken zur Einhaltung von Umwelt und Sozialstandards. Die teilnehmenden Institute – und das sind so ziemlich alle Großen – verpfl ichten sich, nur solche Projekte zu finanzieren, bei denen die Kreditnehmer gewisse Umwelt und Sozialkriterien erfüllen, die auf den Standards der Weltbank basieren. Mit dem Ergebnis: Unternehmen, die sich vorbildlich verhalten, haben es in jedem Fall leichter, sich zu refi nanzieren – sei es über Kredite oder am Kapitalmarkt.

Die Beiträge in unserem Heft zeigen: Zu den NGOs, den Kunden, den Lieferanten und den Mitarbeitern gesellen sich nun auch die Kapitalmärkte und Banken auf der Bühne der Nachhaltigkeit. Und spätestens hier geht es um bares Geld.

 

Gabriele Kalt

Gabriele Kalt

Verantwortliche Redakteurin

 

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